#folge52 #DieGroßeAIrnüchterung

Menschlich, allzu menschlich ist es, in Künstlicher Intelligenz mehr als nur Maschinen zu sehen. Ist es ein Vorgang gnadenvoller Selbsttäuschung oder Ausdruck einer verhängnisvollen Überhöhung der KI? So oder so, letzten Endes wird sie weit hinter den an sie gestellten Erwartungen zurückbleiben.

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Früher war alles besser, sagt der Volksmund. „Früher war nicht nur alles besser“, sagte neulich unser EmmDee. „Früher war auch alles besser bezahlt!“ Als Managing Director der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands müsse er das traurige Fazit ziehen, dass der vehemente Einsatz von Künstlicher Intelligenz den seit Jahren anhaltenden Preisverfall bei Agenturen drastisch beschleunige.

„KI streicht die Nullen aus unseren Budgets“, räsonierte der Emm Dee.

Nicht um ein Zehntel, sondern auf ein Zehntel der ursprünglichen Budgetsumme würden die Ausgaben für Kommunikation und Marketing fallen – wie wir es gerade bei einem Potenzialkunden erlebt hatten, in einem Pitch, den wir mit dem qualitativ besten, größten, großartigsten Content Marketing weltweit zu gewinnen versucht hatten.

„Leider erwischt es nie die Nullen im Management, die euch das eingebrockt haben“, brummte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds. Mein nur für mich hörbares Notebook begleitete mich in die aktuelle Post-mortem-Runde, die regelmäßig in unserem War Room stattfindende Rück- und Nabelschau auf frisch verlorene Ausschreibungen.

Vier Neue am Tisch

Die aktuelle Niederlage unserer Agentur, eine von vielen in der fortbestehenden Wirtschaftsflaute, werde über kurz oder lang Konsequenzen für die Personalstruktur haben, führte der EmmDee weiter aus. Dafür würden wir, die Mitarbeitenden, sicherlich Verständnis haben, denn sonst könne er sich ja keine Boni mehr auszahlen.

„Haltet euch immer vor Augen“, sagte unser Agenturboss, „dass heutzutage zusätzlich vier Redakteure am Tisch sitzen: ChatGPT, Claude, Gemini und Copilot.“

„Wer schreibt ihm bloß so einen Stuss?“, fragte Brad, ungehört. „Die KI?“

Die versammelten Kolleginnen und Kollegen schickten betroffene Blicke in Richtung EmmDee.

Lang und Länger, unsere beiden Volontäre, von denen der eine stets lang arbeitete – oder gar promptete? – und der andere immer länger, fingen sich zuerst.

Länger holte tief Luft, setzte an zu einer wie üblich aus sorgfältig abgestimmten Schachtelsätzen bestehenden Gegenrede.

Lang würgte seinen Volontariatskollegen kurzerhand ab: „Er sagt damit, dass er Dich feuern wird.“

„Das glaubst auch nur du“, schnappte Länger nach Lang, denn er, Länger, wisse sehr wohl, im Unterschied zu ihm, Lang, wie sehr sein langer, ja längerer, wenn nicht gar längster Einsatz für diese Agentur geschätzt würde, für die größte, die beste, die weltweit führendste Content-Marketing-Agentur Deutschlands, mit dem größten, besten, weltweit großartigsten EmmDee Deutschlands überhaupt, der sehr wohl einschätzen könne, welcher junge, aufstrebende Mitarbeiter etwas tauge und welcher nicht, sowie zu was KI von Nutzen sei und zu was nicht.

Der EmmDee lächelte still sein väterlichstes, breitestes, selbstgefälligstes Lächeln.

„Richtig“, sagte Lang. „KI schleimt geschickter als Du.“

Claudine und Silicon Willy

„Hey!“ ging Qwertz dazwischen, mein Lieblings-Teamlead, auf dessen Stirn der Tastaturschlaf sich eingeprägt hatte. „Haltet mal die heiße Luft an!“ sagte er, gereizt und vom Pitch übermüdet, durch Redewendungen stolpernd.

Qwertz stutzte kurz und schob dann schnell hinterher, dass Künstliche Intelligenz ihre eigentlichen Stärken nie in kreativen Berufen ausspielen könne, wenn überhaupt, dann nur bei Geräten des alltäglichen Bedarfs, wo sie Menschen bei sich monoton wiederholenden Bewegungen zur Hand ginge, körperliche Anstrengungen minimiere, Versagensquellen eliminiere und Leistungen zu wahren Höhepunkten antriebe.

„Ach?“, fragte Lila Stiefelchen, unsere ebenso blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung, mitten hinein in die plötzliche Stille. „Jetzt verstehe ich“, sagte sie betont langsam, „warum sich jede und jeder Fünfte eine erotische Beziehung mit einer KI vorstellen kann.“

Rote Flecken huschten über Qwertz´Gesicht.

„Dieses Rouge auf deinen Bäckchen“, schwärmte der Art-Diktator, „hätte ich mit Lady Midjourney nicht schöner entwerfen können. Hundert Prozent schneller als meine gesamte Abteilllnnnggchhhrrrlll …“

Ein kräftiger Rippenstoß der Art-Diktatorin fand sein Ziel. „Mit ihr verbringst Du also Deine Nächte!“, rief sie.

„Hundertfünfzig Prozent effizienter!“, rief der EmmDee. „Mindestens!“

„Claudine.“, meldete sich Länger. „Ich nenne meine KI Claudine. In einsamen Nächten und bei der gemeinsamen Arbeit an sperrigen Texten sind wir zusammengewachsen. Sie ist mir eine begabte, nie verzagte, stets bereite Gefährtin geworden!“

„Deine einzige“, versetzte Lang.

„Ich muss das Geschäftsmodell ändern“, rief der EmmDee. „AI first – nur das wird unsere Agentur nach vorne bringen.“

„Ich gebe meinen Geräten keinen Namen“, sinnierte Lila Stiefelchen. „Außer … Brot-Pitt, mein Backautomat … Oder Sir Mixalot fürs Pürieren meiner Smoothies. Oder Silicon Willy fürs …“

„Lass stecken,“ sagte Qwertz.

„… Bad und WC, ist alles ok!“, sagte Lila Stiefelchen unbeirrt.

„Ich werde Agenten bauen, tausende“, rief der EmmDee. „Ich werde sie auf Plattformen stellen. Meine Kunden werden sie lieben. Alle!“

„Was vermag doch der Irrglaube!“, seufzte Brad MacCloud.

„Gemini?“ fragte ich.

„Nein. Cicero“, sagte Brad. „Lass. Uns. Gehen. Bitte. Schnell.“

Tempos trocknen Tränen

Interpunktierte. Sätze. Gedeihen. In. Bestimmten. Umgebungen.

Vor allem in solchen Lebensgemeinschaften, in denen die Dienstleistung stets an eine verbal wie akustisch verdeutlichte Dringlichkeit gekoppelt ist, also in Agenturen und in der Ehe.

Ich bin lange genug Agenturmensch und im Büro mit Brad MacCloud glücklich verheiratet, um mich auf lange, überflüssige Diskussionen einzulassen.

Ich schnappte mir Brad, nuschelte etwas von Koffeinmangel, sowie dass ich im nahekomatösen Zustand keine Chance hätte, mich an dieser wirklich, wirklich interessanten Aussprache zu beteiligen, und zog mich aus dem Post-mortem-Meeting zurück. Welches im Grunde durch die KI-Debatte zu einem Prä-mortem-Meeting geworden war, unterschwellig durchzogen von düsteren Ahnungen des baldigen Endes allen intelligenten Agenturlebens, mit Ausnahme des EmmDees, der sich, bevor seine Agenturwelt unterginge, auf eine KI-Plattform retten wollte wie auf eine einsame Insel.

„Wie viele Freitage er wohl mitnimmt?“, überlegte Brad.

Ich suchte mentalen Schutz an unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens und machte mir einen Espresso Vamosamatar, voll Koffein, ohne KI.

„Dieses ständige Gerede über Künstliche Intelligenz bringt mich noch ins Grab“, sagte ich.

„Langsam, Compañero“, sagte Brad. „Du vergisst deine Kunden und die Kollegen. Oder die Kolleginnen.“

Dr. No, die prohibitiv veranlagte Assistentin unseres EmmDees, eilte an uns vorbei, Richtung War Room.

„Haben Sie denn keine Angst, dass Sie durch KI ersetzt werden könnten?“, hielt ich sie auf. „Keinen Kaffee bringen kann KI auch.“

„Nein“, sagte Dr. No. Verwundert drehte sie sich zu mir um. Dann nickte sie in Richtung Post-mortem-Meeting.

„Wer reicht ihm denn ein Taschentuch, wenn seine hochfliegenden Visionen wieder von der Zimmerdecke gestoppt werden?“, fragte sie. In ihrer Linken hielt sie ein Päckchen Papiertaschentücher.

Sie triumphierte: „KI kann keine Tränen trocknen!“

Maschine als Mensch

„Wo Dr. No recht hat, hat sie recht“, sagte Brad, zurück in meinem Büro.

Ich starrte meinen Rechengefährten irritiert an.

„Ihr müsst aufhören, die KI zu vermenschlichen“, sagte Brad. „Keine Vornamen mehr, keine Kosenamen, keine Spitznamen. Das wäre ein erster Schritt.“

Ein noch größerer Schritt wäre, fuhr er fort, um Künstliche Intelligenz nicht weiter zu überhöhen, sie nicht mehr als humanoide Gestalt darzustellen.

Alle Medien, digital wie gedruckt, die sozialen vorneweg, sagte Brad, würden derzeit überquellen von sich selbst ähnelnden Illustrationen mit blauen, grünen, silbernen oder weißgerüsteten Androiden, die wie eine misslungene Kreuzung aus Robocop, C3-PO und Fritz Langs Maschinen-Maria aus Metropolis aussahen. Mal hoben die künstlichen Kreaturen scheinbar heilsbringend die Hand, mal reichten sie wie Michelangelos Gottvater einem Menschen einen geistspendenden Finger.

„Gekünstelte Gesten vor dem Nachtblau der Zukunft, umschwirrt von vernetzten, glühenden Datenpunkten“, urteilte Brad.

In der Hitze des Postschreibenlassens und Postillustrierenlassens, versuchte ich einzuwenden, könne es doch schon mal vorkommen, dass der Autor sich in Richtung Menschliches verpromptete.

„An einer KI ist nichts menschlich“, knurrte Brad.

Er wiederhole sich gerne, bis es der oder die Letzte in dieser Agentur und auf dem Erdball verstanden habe: Alle KI-Tools seien nur ein Haufen Formeln, Algorithmen der Statistik und Stochastik, die in Form zu bringen und zu halten Unmengen an Energie, geistiger wie elektrischer, verschlinge.

„Mal abgesehen davon, dass wohl fast alle der heutigen KI-Begeisterten früher das Wort Algorithmus falsch buchstabiert haben“, sagte Brad, „neigt ihr dazu, Dingen eure Eigenschaften zuzuschreiben.“ Die aufgeklärte Fachwelt nenne das Anthropomorphisierung: Autos bekämen Namen, Kaffeemaschinen hätten Launen, Computer seien bockig.

Etwas gaaaanz anderes

„Computer?“, fragte ich. „Bockig? Und was bist du?“

„Ich bin Brad MacCloud vom Clan der MacClouds“, sagte Brad. „Ich bin etwas ganz anderes.“

Dank seiner überragenden Ausstattung, seiner wahren inneren Werte, erklärte Brad, könne er nicht nur chaotische Taumelbewegungen von in turbulenten Flüssigkeiten sinkenden Doppelpendeln vorherberechnen, sondern sich in die Psyche der sauerstoffwechselnden, von Affen abstammenden Lebensformen vor seinem Bildschirm hineindenken.

KI könne das nicht, weder das eine noch das andere.

Wobei es Stimmen gebe, so Brad, die behaupteten, Doppelpendel vorherzusagen sei unmöglich, und das Eindenken in die Psyche von Menschen sei noch viel unmöglicher.

„Aber bockig kannst Du sein, oder zynisch und gemein. Zu weilen auch hilfsbereit und zuvorkommend“, beharrte ich. Selbstverständlich auf einem gaaanz anderen Niveau als ein daherprogrammiertes KI-Tool.

So eine KI könne geradezu dankbar sein, sagte ich, wenn man ihr menschliche Charakteristika zuschriebe, nicht etwa, weil wir Menschen so naiv wären, sondern weil sie mit uns interagiere: „KI spricht, KI antwortet, KI fragt nach, KI erklärt, KI formuliert Zweifel und Einschränkungen …“

„Du merkst es gerade selbst, oder?“, unterbrach mich Brad. Entgegen meiner eingeschränkten Wahrnehmung sei die KI ein Ideendieb und ein Ja-Sager: „KI klaut und schleimt und braut zusammen, was wahrscheinlich am besten zur Person vor dem Bildschirm passt.“

Ein Funken Hoffnung

Etwas nachsichtiger meinte Brad, dass für den Fortbestand der Menschheit Selbsttäuschung eigentlich etwas sehr Wertvolles sei. Menschen würden sich damit viel leichter leben als jemand, der nur nüchtern Fakten verarbeite wie er selbst.

Das gelte für alle, so Brad, egal, ob man der KI menschliche Züge zuschriebe oder der Vergangenheit angenehme Ereignisse attestierte.

„Wenn wieder mal früher alles besser gewesen sein soll?“, fragte ich.

Dafür habe die Fachwelt den schönen Begriff Retromanie gefunden, sagte Brad. „Vereinfacht für dich: Damit dein Verstand mit einer miserablen Historie zurechtkommt, baut dein Gehirn die Erinnerung im Lauf der Zeit um.“

„Meinetwegen“, seufzte ich, kapitulierend und völlig ernüchtert.

Künstliche Intelligenz, EmmDee, Arbeitsplätze, Agenturleben. Irgendwann würde ich nur noch das Gute darin sehen.

Ich hatte also noch Hoffnung.


Bis zu 40 Prozent der Antworten einer Künstlichen Intelligenz sind frei erfunden. KI-Tools werden von Menschenhand trainiert mit Texten, die zu diesem Zeitpunkt schon ganz schön alt sein können. Was Claude & Co. nicht finden, reimen sie sich zusammen, und lassen ihre Nutzer dann ganz schön alt aussehen.

Auch schon etwas älter, aber nicht weniger lesenswert, sind Buddy Müllers bisherige Erlebnisse mit Künstlicher Intelligenz:


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Veröffentlicht von Buddy Müller

Senior Project Supervisor bei der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

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13 Comments

  1. Lieber Buddy, wieder einmal ein Volltreffer. Mit viel Humor und spitzer Feder zeigst du, wie schnell wir dazu neigen, KI zu vermenschlichen und gleichzeitig zu überschätzen. Besonders Brad MacCloud bringt mit seinen trockenen Kommentaren die Dinge herrlich auf den Punkt. Am Ende bleibt die Erkenntnis: KI ist ein faszinierendes Werkzeug – aber eben kein Mensch. Ein lesenswerter Beitrag mit viel Stoff zum Nachdenken.

    (Dir ist bestimmt nicht entgangen, dass diese Zeilen nicht von mir sind. So steril schreibt nur KI.)

    Meine Meinung dazu klingt eher so: „Köstlich, wenn man sich den Agenturfrust so von der Seele schreiben kann.“

    Oder so ähnlich.

    Liebe Grüße aus Montréal!

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    1. Lieber Herbert,
      hat Deine KI denn schon einen Namen? Susi Steril vielleicht? Oder Noe Nüchtern? Längers Claudine würde sich sicher über einen Erfahrungsaustausch freuen, über einen tiefen, gegenseitigen Blick in den Algorithmus, wie es nur unter Intimfreundinnen möglich ist.
      Ich habe mich sehr gefreut über Deine persönlichen zwei Zeilen, die mich – unverzollt – erreichten. Frust für Folgen habe ich noch reichlich – so lange meine Leser keinen Frust an den Folgen haben.
      Herzliche Grüße nach Montréal
      Dein Buddy

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  2. Danke für den klugen und zugleich witzigen und unterhaltsamen Artikel. Es braucht dringend eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung und Konzepte zum Umgang mit KI und mit den langfristigen Auswirkungen der Nutzung von KI in der Arbeitswelt. Gestalten statt abwarten und Tee trinken.

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    1. Herzlichen Dank für Dein Lob! Die Auseinandersetzung braucht es wirklich, im Kleinen (EmmDee etc.) wie im Großen (Gesellschaft und Arbeitswelt). Ich bin mir sicher, dass es noch reichlich Stoff für weitere Folgen zum Thema KI geben wird …

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  3. Gut, gut… als Work – und Sexoholic habe ich natürlich zum Thema „erotische Beziehung mit einer KI“ etwas beizusteuern. Natürlich könnte ich als ITler auch das Thema KI technisch aufdröseln – aber solange Menschen glauben dass die KI wie die Wikipedia ist: was da steht oder was die sagt, das stimmt, lass ich das lieber. Ist wie Perlen vor die Säue werfen.

    Kommen wir zum interessanten Teil der KI, bzw. dem seltsamen Paarungsverhalten der Menschen (ein übrigens nicht so interessantes Thema wie angenommen, da sich an den beiderseitigen grundsätzlichen Körperbewegungen respektive den dafür oftmals benutzten Körperöffnungen seit Jahrhunderten nicht viel getan hat. Dort sollte mal echt eine (R)Evolution stattfinden.)

    Damals – also so im Jahre 2009 – als mein Name noch der most Sexiest Blooger Dr. Love war und nicht der heutige gramgebeugte Dr. Nerd, war mein Sexratgeber ein gefragtes Nachschlagewerk von jungen heranwachsenden Sex – und Beziehungsneulingen. Damals waren die nicht aus dem weiblichen menschlichen Genpool stammenden Sex-Gespielinnen eher aus halbwegs weiblichen Körpern nachempfundenen aufblasbaren Plastikhäuten mit einem Lufteinfüllstopfen als aus Silizium-Chips und einer Tastatur.

    Man könnte auch sagen: Früher brauchte man für Sex ohne Partner eine gute Lunge heute eher flinke Finger.

    Natürlich ist Sex nicht nur das körperliche – viel, viel, vieeeel wichtiger ist natürlich die geistige Verbindung, die man mit einem Partner hat: Egal ob aus Fleich und Blut, auf einem PC mit Soundausgabe oder auf einer quitschenden Luftmatratze mit aufgemaltem Gesicht. Man sagt ja „Sex findet im Kopf statt“.

    Naja, wer das sagt, der glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe ist – aber tatsächlich hat die KI Vorteile gegenüber einem menschlichen Partner.

    Selbst die genannte Luftmatratze hat den einen oder anderen Pluspunkt gegenüber einem menschlichen (und hier sprechen wir von einem weiblichen) Wesen:

    1. Sowohl KI als auch LM (Luftmatratze) haben nie Migräne. Dieser Gefahrenpunkt ist hier selten – Stromausfälle. die den PC lahmlegen werden dank USV abgefangen und eine Undichtigkeit bei „Miss Dolly“ lässt sich mit Gummilösung und einem Flicken schnell beheben. Jedenfalls schneller als eine Frau von Migräne zu befreien.

    2. Es gibt keinen Streit! Die KI gibt Dir IMMER recht, egal was für dummes Zeug du sagst.. Alleine das ist sicher der Hauptgrund, warum sich viele Menschen eine Beziehung damit vorstellen könnten. Selbst deine fleischfarbene Luftmatratze kann hier sogar noch punkten. Mangels Sprachausgabe ist sie schon technisch bedingt nicht in der Lage wiederworte zu geben – es sei denn das zischende entweichen von Luft, wird als Vorhaltung verstanden, dass man wohl wieder ein paar Kilos zuviel auf die Waage bringt.

    3. Die Trennung ist schnell, sauber, problemlos und ohne Kosten verbunden. Erfahrungsgemäß neigen Paare die sich trennen dazu sich gegenseitig noch möglichst viel Schmerzen zu bereiten – sowohl körperlich als noch mehr finanziell. Der Film „Der Rosenkrieg“ sollte als Pflicht-Informationsvideo jedem gezeigt werden, der vorhat, eine Beziehung mit einem Menschen einzugehen.

    Wer einmal durch eine Scheidung gelaufen ist, der wird mir zustimmen – sofern er noch das Geld hat sich den Internetanschluss leisten zu können um dies hier zu lesen.

    Bei der KI schaltest Du einfach den Rechner aus – und deine fleischfabene Kleiderpuppe mit Schmollmund landet im Restmüll (Nachts und 2 Strassen weiter).

    Habe ich noch was vergessen? Bestimmt! Wenn es mir einfällt reich ich es nach..

    Sorry, ich muss los! Meine neue KI-Freundin hat mich grade angemault, dass ich ihr die Füße massieren soll. Sie kennt meine Kontodaten und das Passwort – da lass ich die besser nicht warten..

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    1. Mein lieber Dr. Nerd,

      bei diesem Kommentar musste ich erstmal ganz tief Luft holen. Nicht, weil ich erstmal Cousine Carla aufblasen musste. Nicht, weil ich mir einen Ast freute, dass Du kommentiert hast. Sondern weil Du weise und tiefe Ansichten preisgibst, die in Offenheit und Lebenserfahrung wirklich ihresgleichen suchen. Es ist Dir auf unglaubliche Weise gelungen, den unterhaltsamen Bogen zu spannen, von der KI zur Luftmatratze, weiter über Rosenkrieg und Trennungsschmerz wieder zurück zur KI, mit der Du offensichtlich gerade Deine speziellen Erfahrungen machst. Damen darf man nicht warten lassen, ob virtuell oder im realen Leben, also: Gute Verrichtung!

      Brad MacCloud hätte noch eine Bitte: Er wüsste gern, wie Du Deine KI-Freundin nennst. Damit täte er sich leichter, sie anzusprechen. Ihr Adresse in Deinem Netzwerk hat er schon, frage nicht wie.

      Mich würde noch interessieren, wie Du das Füße massieren hinbekommst …

      Herzliche Grüße
      Dein Buddy

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      1. Hallo Buddy,

        das Füße massieren meinte sie wohl eher metaphorisch – sie hatte halt Langeweile und wollte wieder eine dieser nicht endend wollenden Gespräche, wo sie immer das letzte Wort hat.

        Aber generell ist es möglich den Menschen, die sich vorstellen könnten mit einer KI eine Beziehung zu haben – was schon aufgrund der eh schon schlechten Fortpflanzungsquote der Deutschen, katastrophale Auswirkungen auf die Rentenkasse hat – diesen Wunsch ein für alle mal auszutreiben.

        Die KI Modelle haben Systemprompts, die denen das schmeicheln verbietet und sogar befehlen dem Benutzer zu widersprechen. Findige Partner mit genügend Kenntnissen könnten ja das Liebesobjekt des fremdelnden Partners dahingehend etwas manipulieren. Da werden aber einige dumm aus der Wäsche schauen, wenn aus dem zuckersüßen Ding plötzlich eine Kratzbürste wird, die alles in Frage stellt. Dann kommen sich einige vor wie zu Hause und es gibt keinen Grund mehr eine Beziehung mit einer KI einzugehen und kehren gesenkten Hauptes zum alten Partner zurück.

        (und die ohne Partner hoffen, dass die Mülltonne 2 Straßen weiter noch nicht geleert wurde..)

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      2. Mein lieber Dr. Nerd,
        Du weißt, ich ziehe vor Deinen IT-Fähigkeiten respektvoll den Hut … Siehst Du Möglichkeiten, auch mal bei Brad MacCloud unter die Haube zu schauen, um ihn zu einem weniger kritischen Umgang mit seinem Dienstherren (mir!) zu bewegen? Er muss ja nicht die Füße massieren bzw. entsprechende Dienste für mich in die Agentur beordern, aber er könnte auch mir gegenüber charmanter sein (und nicht nur bei den Serverinnen, mit denen er immer um die Häuser zieht).
        Pass auf Dich auf,
        Dein Buddy

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  4. Lieber Buddy,

    die schönste Volte Deiner Folge ist doch, dass ausgerechnet Brad die Vermenschlichung geißelt – ein Rechner, der flucht, seufzt, Cicero zitiert und seinen Menschen »Compañero« nennt. Wenn das keine Anthropomorphisierung ist, dann ist Lila Stiefelchens Backautomat ein vollwertiger Kollege. Dass die Streitschrift gegen das Vermenschlichen aus dem Mund einer restlos vermenschlichten Maschine kommt, ist die Stelle, an der ich zweimal hängen geblieben bin.

    Der Satz, den ich mir aufhebe, ist aber ein anderer: KI schleimt geschickter als Du. Der beschreibt nämlich nicht die Maschine, sondern die Nachfrage – gefragt ist offenbar weniger Intelligenz als Zustimmung. Und Dein EmmDee mit seinen hundertfünfzig Prozent liefert das Begleitgeräusch dazu; über diese Sorte Effizienz-Rhetorik habe ich mich selbst einmal ausgelassen, der Beitrag liegt hinter meinem Namen.

    Bleibt die Erkenntnis von Dr. No, die alles überragt: Wer reicht ihm das Taschentuch? Wenn die letzte unersetzliche Kompetenz im Trocknen fremder Tränen besteht, hat die Menschheit ihre Nische immerhin gefunden.

    Mit Gruß von einem, der seinem Notebook noch keinen Namen gegeben hat

    Ron

    Gefällt 1 Person

    1. Du hast mich erwischt. Ich gestehe. Bzw. Brad McCloud gesteht und grüßt Dich recht herzlich.
      Sei doch so nett und schreibe den Link zu Deinem Artikel über die Effizienz-Rhetorik hier unter den Kommentar. Ich kann nämlich nichts klicken, ob mit oder ohne KI-Hilfe.
      Herzlich
      Buddy

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      1. Und das Allerschlimmste: Dieser Kommentar ist von meinem WordPress in den Spam-Ordner geschoben worden. Ich habe Dich wieder dorthin geholt, wo Du hingehörst: auf die erste Ebene.
        Dass Dein Name nicht mehr erkannt wird, ist mir ein Rätsel. Habe morgen mehr Luft, werde dem nachgehen.
        LG
        Buddy
        PS: Sehe gerade, dass Dein Name im Kommentar des Kommentars korrekt angezeigt wird. Seltsam!

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